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Magersucht – Wie wir sie erkennen und was wir dagegen tun können


Für manche ist es eine Modeerscheinung, für andere überstiegene Eitelkeit. In Wahrheit ist es eine ernstzunehmende Krankheit, die in zehn Prozent aller Fälle tödlich endet.


Meist sind sie Musterschülerinnen und gelten als besonders sportlich. Gerne kochen sie ausgiebig für Familie und Freunde und sind dabei selbst unheimlich diszipliniert und ernähren sich gesund. Zudem stehen sie ihren Freunden und Mitschülern immer mit Rat und Tat zur Seite. Wenn das nicht perfekt ist! Oder? Nicht ganz. Manchmal steckt hinter dieser Perfektion eine Krankheit. Und zwar eine, die sehr ernst zu nehmen ist: Magersucht.

Was wir als Magersucht bezeichnen, nennen Ärzte Anorexia nervosa. Eigentlich bedeutet Anorexia übersetzt Appetitlosigkeit. So ganz trifft dies das Krankheitsbild nicht, denn magersüchtige Menschen haben ihr Untergewicht ganz bewusst selbst herbeigeführt, indem sie extrem viel Sport treiben, nicht ausreichend essen, auf kalorienreiche Nahrung verzichten und manchmal tagelang überhaupt nichts essen. Medizinisch gesehen gilt ein Mensch als magersüchtig, wenn er 15 Prozent oder mehr unter seinem Idealgewicht liegt. Dies betrifft zwar in den meisten Fällen Frauen, die jünger als 20 sind, immer häufiger erkranken aber auch Jungen und Männer an einer Essstörung.

Viele Menschen sind sportlich und achten auf ihre Ernährung. Deshalb sind sie aber noch lange nicht magersüchtig. Wie kannst du erkennen, ob deine Freundin oder Schulkameradin betroffen ist? Neben bestimmten Merkmalen, die nur ein Arzt feststellen kann, gibt es Hinweise, auf die du achten kannst. Magersüchtige Menschen ziehen sich oftmals zurück und sprechen nur selten über sich selbst und ihre Gefühlswelt. Das Essen nimmt einen zentralen Punkt in ihrem Leben ein. Sie essen sehr langsam und haben regelrechte Rituale während der Mahlzeiten. Oftmals reagieren sie schnell gereizt. In der Schule oder Ausbildung gehören sie meist zu den Besten, denn sie sind bei ihrer Arbeit sehr genau und streben gute Leistungen an. Zu diesen Anzeichen kommen auch noch äußerliche Merkmale hinzu. Häufig haben von Magersucht betroffene sehr trockene und schuppige Haut sowie Haarausfall. Auffallend ist auch, dass sie sehr viele Kleidungsstücke übereinander tragen, damit nicht auffällt, dass sie bereits sehr dünn geworden sind. Manche Magersüchtige trinken sehr wenig, da ihnen ihr Bauch ansonsten zu dick erscheinen würde. Obwohl sie häufig schon sehr mager sind, nehmen sie sich als übergewichtig wahr.

Wenn uns diese Krankheit nicht betrifft, können wir solche Verhaltensweisen nicht verstehen. Wir fragen uns: Was können Auslöser dafür sein, dass sich das ganze Leben plötzlich nur noch um das eigene Gewicht dreht? Zunächst sollten wir festhalten: An Magersucht erkrankt ein Mensch nicht über Nacht. Eine Frühform von Essstörungen findet sich sehr häufig bereits unter jungen Mädchen. Kein Wunder, denn in Film, Fernsehen und Modezeitschriften wird uns ein Schönheitsideal vor Augen gehalten, das uns einschüchtern kann. Schnell werden junge Menschen unzufrieden mit sich selbst. Die erste Diät folgt, das Sportpensum wird erhöht. Ein bisschen Selbstkritik schadet natürlich nicht, aber schneller als du glaubst kann dies krankhaft werden. Andere Auslöser für eine Magersucht können aber auch Probleme in der Familie, Vernachlässigungen und sexueller Missbrauch sein.

Wenn du bei einer Freundin den Verdacht hast, sie könnte von Magersucht betroffen sein, ist es wichtig, dass du sehr aufmerksam bist. Gerade Eltern bemerken häufig erst spät, dass ihr Kind an dieser Krankheit leidet. Symptome werden schnell als Macke oder Tick abgetan. Dazu kommt noch, dass erkrankte Menschen selbst nicht einsehen wollen, dass sie krank sind und auch alles daran setzen, dass niemand bemerkt, wie abgemagert sie bereits sind. Häufig entwickelt sich eine Magersucht auch zur Bulimie, der Ess- und Brechsucht. Um zu verbergen, dass sie hungern, essen die Betroffenen etwas, erbrechen jedoch kurz darauf oder nehmen Abführmittel zu sich. Das steigert sich schnell soweit, dass sie mehrmals täglich große Mengen Nahrung essen und im Anschluss sofort erbrechen.

Entdeckst du, dass deine Freundin auffallend dünn geworden ist und sich anders verhält als früher, dann zögere nicht und sprich’ sie darauf an. Frag’ sie ruhig, warum sie sich zurückzieht und immer seltener isst. Häufig drücken wir uns vor solchen Gesprächen aus Angst vor den Reaktionen - doch das ist der falsche Weg. Zeige deiner Freundin oder Schulkameradin, dass du eine Veränderung bemerkt hast und um sie besorgt bist. Wenn du bemerkst, dass sich der Verdacht bestätigt, kannst du ihr anbieten, sie zu einem Beratungsgespräch beim Arzt zu begleiten.

In vielen Fällen sind ambulante Therapien erfolgreich, das bedeutet: Ein Klinikaufenthalt ist nicht notwendig. Bei diesen Therapien lernen Erkrankte, wieder normal zu essen und ihre Gedanken nicht mehr ständig um ihr Gewicht kreisen zu lassen. Damit dies möglich ist, stärken die Therapeuten das Selbstbewusstsein der Mädchen und Frauen. Sie müssen ganz neu lernen, ihren Körper richtig einzuschätzen und zu akzeptieren.

In manchen Fällen reicht so eine Therapie aber nicht mehr aus. Dann ist ein Klinikaufenthalt unvermeidlich. Wenn die Betroffenen bereits soweit abgemagert sind, dass eine Gefahr für den Körper oder gar das Leben besteht, müssen sie über eine Magensonde ernährt und ständig beobachtet werden. All diese Maßnahmen nützen aber nichts, wenn ein magersüchtiger Mensch nicht erkennt, dass er krank ist und sein Leben damit aufs Spiel setzt. Du kannst deiner Freundin oder Schulkameradin eine entscheidende Hilfe dabei sein. Mach’ ihr deutlich, dass dir viel an ihr liegt und ihre Gesundheit dir wichtig ist. Du kannst ihr von Gott erzählen und davon, dass er sie sehr lieb hat. Unabhängig davon, ob sie 40, 50, 60 oder sogar 120 Kilo wiegt. Zeig’ ihr, dass du für sie da bist und ihr helfen wirst, ihre Krankheit zu besiegen.

Franziska Bigalke

Übrigens:
Auf der Homepage www.klinikum.uni-heidelberg.de der Uni Heidelberg kannst du einen Selbsttest machen und herausfinden, welches Gewicht für dich gesund ist und welches bereits zu wenig. 

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